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Was zeichnet ein gutes Schulbuch aus?

Was zeichnet ein gutes Schulbuch aus?                                             

In Lehrproben und Unterrichtsbesuchen wird nur ganz selten das Mathematikbuch eingesetzt. Stattdessen werden die Schülerinnen und Schüler mit einer Flut von Arbeitsblättern, Hilfekärtchen, etc. überhäuft. Sind die Mathematikbücher wirklich so schlecht, dass ein effektiver und lernertragreicher Einsatz im Unterricht nicht möglich ist? Nach mehr als 38 Jahren Schuldienst und Mathematikbüchern von Schröder/Uchtmann über Hahn/Dzewas bis hin zum Schnittpunkt ( aus dem Klett-Verlag ) oder Mathe interaktiv ( "welch moderner Titel" ) erlaube ich mir, einige, sicherlich auch diskussionswürdige Kriterien für ein gutes Schulbuch aufzustellen.

Dass in einem Schulbuch die fachliche Logik stimmen muss, versteht sich von selbst. Das „Haus der Mathematik“ muss konsequent von unten Stein für Stein aufgebaut werden, und das erste Stockwerk kommt nach dem Erdgeschoss,….Wir kennen alle die fatalen Folgen für den Bau, wenn eine tragfähige Wand fehlt.

Eine hohe Einsatzrate ist anzustreben, denn es ist ein Arbeitsbuch und deshalb sollte ihm auch keine Schonung auferlegt werden. Der Lehrer muss den Schülern die Möglichkeit geben, das Buch kennenzulernen, um damit erfolgreich arbeiten zu können. Das schließt auch farbliche Markierungen, schriftliche Hinweise aus dem Unterricht, etc. ein. Durch die Möglichkeit der günstigen Ausleihe ( und damit verbundenen pfleglichen Handhabung ) zum Schuljahr 2010/11 wird hier leider einer ganz wichtigen Funktion "entgegengearbeitet".  Die Folge ist evident - ein hoher Verwaltungsakt mit zusätzlicher Belastung der Lehrerinnen und Lehrer, die Bücher müssen wie rohe Eier behandelt werden, das Buch mutiert damit zu einem Präsentationsgegenstand. Wer kann sich nur solchen Schwachsinn ausdenken? Das kann nur ein ahnungsloser Mensch sein....

Moderne Schulbücher besitzen eine übersichtliche Gliederung (z.B. Einstiegsaufgaben – Lehr­text – Aufgaben mit Lösungen – Aufgaben – Wiederholungsseiten etc.). Eine konsequente Rea­lisierung einer solchen Struktur gewährleistet einen hohen Wiedererkennungsgrad, ist aber, und das muss mit aller Deutlichkeit gesagt werden, nicht kongruent mit der unterrichtli­chen Struktur; der Lehrtext ist als eine komprimierte Zusammenfassung, nicht als Ausgangspunkt,  sondern als Ziel anzusehen. Viele Schulbuchbenutzer meinen fälschlicherweise, sie müssten das, was auf der ersten Seite steht, auch als Ergebnis der ersten Unterrichtsstunde an der Tafel stehen ha­ben. Ein Irrglaube par excellance….und immer wieder in Unterrichtsbesuchen zu sehen.

 

In der Folge werden Begriffe und Regeln, die allmählich wachsen und reifen müssen, häufig viel zu früh und voreilig eingeführt, verursachen, sozusagen im unreifen Zustand konsumiert, doch einige Magenschmerzen auf beiden Seiten ( Schüler und Lehrer ). Nicht der Denkhorizont der Lehrkraft oder der Mathematik ist entscheidend und darf die Abläufe determinieren, sondern jener der Lerngruppe und was von dort aus logisch und sinnfällig ist.

 

Dass (Muster-)Aufgaben mit Lösungen enthalten sind, dass Aufgabenmaterial reichhaltig und differenziert sein und angemessene Progression im Schwierigkeitsgrad besitzen sollte, versteht sich von selbst und müsste eigentlich nicht mehr extra erwähnt werden.

 

Die Einstiegsaufgaben sollten echte Denkanstöße bieten, nicht künstlich konstruiert sein, von den Lernenden auch selbständig bearbeitet werden können ( z.B. als vorbereitende Hausaufgabe ); sie sollen Zugänge bieten, aber nicht unbedingt das Problemfeld vollständig abdecken, nur ein „Hineinbohren“ initiieren — eine zu große Bedeutung sollte man ihnen nicht beimessen.

 

Mit „offenen“ Aufgaben, Aufgaben ohne Fragen, die aus der geschilderten Situation heraus vom Lernenden selbst gestellt werden sollen, muss im Unterricht gearbeitet werden. Hier scheinen die Verlage langsam, aber sicher Reaktion zu zeigen.

 

Fachlich modern bedeutet, dass das Buch fachlich und fachmethodisch auf der Höhe der Zeit ist. Algorithmisches Denken, Tabellenkalkulationen, Hilfsmittel via Computer wie bestimmte Programme ( Funktionsplotter, Programmiersprache LOGO, Konstruktionsprogramme wie Cabri Géomètre oder EUKLID, Konstruktionsbeschreibungen wie mit KONZ u.a.m. ) müssen integrati­ver Bestandteil eines zeitgemäßen Mathematikunterrichts sein und demzufolge auch im Buch in allen möglichen Kontexten zur Verfügung stehen und präsent sein.

 

Als Mitautor bei Schnittpunkt 8 und 9 haben wir auf folgendes geachtet:

  • * klare Struktur mit klaren Symbolen, die durchgehend beibehalten werden
  • * orientiert sich an dem neuen Lehrplan, den Vorgaben der Lehrplankommission    ( hinsichtlich Einsatz PC im Unterricht ) und den Bildungsstandards
  • * jedes Kapitel fängt mit einer Doppelseite an, auf der Entdeckungen gemacht werden können, zum Probieren anregt und damit einen Zugang zum Thema schafft; auch wird angegeben, was der Schüler in diesem Kapitel lernen wird ( kann ) -> ZIEL !!!
  • * jeder Band fängt mit einer Wiederholung des Basiswissens ( aus Vorjahren an ) -> Reaktivierung des Vorwissens. Wie man das jetzt einsetzt, ist dem Lehrer überlassen zu -> Beginn oder bei Bedarf!!
  • * reiche Auswahl an Aufgabentypen ( auch "Päckchenaufgaben" !! ), viele offene Aufgaben in progressiver Form
  • * wenn möglich wurden immer reale Situationen gewählt, die dann als Ausgangspunkt von    Problemaufgaben dienen, die den mathematischen Kern des jeweiligen Kapitels enthalten. Es sollen keine gekünstelten Situationen geschaffen werden, die die Schüler dem Lehrer doch nicht abnehmen… Einige Kollegen versuchen unsere Schüler immer noch für dumm zu   verkaufen.
  • * Am Ende des Aufgabenteils steht eine Zusammenfassung über das, was im Kapitel gelernt
  •    worden ist ( mit Aufgaben und Hinweisen   -> Arbeit, nachschlagen )
  • *  Unter Üben – Anwenden – Nachdenken sind Aufgaben zum Üben, Weiterdenken und     Aufgaben zum integrativen Lernen zusammengestellt – das früher Gelernte wird in neuen     Zusammenhängen ( Förderung von integrativem Lernen ) reaktiviert. Gerade diese Aufgaben sind sehr anspruchsvoll und bieten auch die Möglichkeit der Differenzierung, genau wie der Rückspiegel, mit dem jeder Schüler sein Wissen testen kann. Hier ist eine horizontale    Durchlässigkeit gegeben, der Schüler kann zwischen den beiden Ebenen ( Anspruchsniveau )     wechseln
  • * Wenn möglich wurde immer ein Abschnitt eingefügt, in dem auf den Einsatz des Computers    zurückgegriffen werden kann. Auch die häufig kniffligen Aufgaben vom Rand oder der     Innenseite bieten Möglichkeiten der inneren Differenzierung
  • *  Neu im 9er Band: Bewerbungstraining mit einer Wiederholung der in den Prüfungen am     häufigsten vorkommenden Regeln; außerdem werden drei reale Test angeführt.
  • *   Im Band 8 und Band 9 gibt es die Treffpunkte, in der möglichst viele Inhalte noch mal in     verschiedene situative Rahmen integriert werden.

Aktualisiert (Donnerstag, den 28. Juli 2016 um 06:08 Uhr)

 
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